Es war ein Donnerstagabend im Oktober, als ich zum dritten Mal in Folge an der Caprice Bar saß und bemerkte, dass der Mann zwei Tische weiter dieselbe Uhr trug wie ich – eine Submariner, leicht zerkratzt, wie man sie nur bekommt, wenn man sie tatsächlich trägt. Er war Reeder aus Athen. Wir unterhielten uns bis nach Mitternacht über Kunstmessen und Schiffsrouten. Genau das ist Limassol Marina nachts: keine Bühne, keine Showeinlagen, kein Tinnitus – sondern ein Hafen, an dem die Welt zusammenkommt und das Gespräch die Hauptattraktion ist.
Caprice Bar – Sundowner mit Yachtblick
Die Caprice Bar liegt direkt am Wasser der Limassol Marina, keine zwanzig Meter vom nächsten Superyacht-Liegeplatz entfernt. Der Blick auf die beleuchteten Masten nach Sonnenuntergang ist einer dieser Momente, die man nicht inszenieren kann – er entsteht einfach, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sitzt.
Das Angebot ist fokussiert: klassische Cocktails, einige interessante mediterrane Variationen, guter Wein aus zypriotischen Weingütern wie Ktima Vassiliades oder Zambartas. Die Signature-Cocktails liegen zwischen 14 und 18 Euro, ein Glas Commandaria zum Abschluss des Abends kostet um die 9 Euro. Kein Schnäppchenpreis, aber man zahlt für Position und Qualität – und beides stimmt hier.
Der beste Platz ist die äußere Terrassenreihe, die direkt über dem Wasser hängt. Von dort sieht man die Yachten herein- und hinausgleiten, manchmal mit Gästen an Deck, die ihrerseits heraufschauen. Ein gegenseitiges Beobachten, das vollkommen entspannt ist. Reservierungen für Freitag- und Samstagabend empfehlen sich ab Donnerstag – die Bar fasst draußen vielleicht siebzig Personen und ist an guten Abenden schnell voll.
Nammos Limassol – Der Spot des internationalen Jet-Sets
Nammos kennt man ursprünglich von Mykonos. Die Limassol-Dependance, ebenfalls in der Marina, hat den Markenkern präzise übersetzt: gehobene mediterrane Küche am Mittag und frühen Abend, dann eine Transformation in ein Lounge-Restaurant mit DJ-Set, das die Grenze zwischen Dinner und Nacht fließend werden lässt.
Wer hier zum ersten Mal auftaucht, ist vielleicht überrascht von der Selbstverständlichkeit, mit der internationale Gäste – Londoner Finanzwelt, Moskauer Unternehmer, Beiruter Geschäftsfamilien – nebeneinander sitzen, als wäre die Marina ihr angestammtes Wohnzimmer. Das ist kein Zufall. Limassol hat sich in den letzten zehn Jahren als kosmopolitisches Businesszentrum entwickelt, und die Marina ist der gesellschaftliche Knotenpunkt dieser Entwicklung.
Preislich bewegt sich Nammos im gehobenen Segment: Hauptgerichte zwischen 28 und 55 Euro, Cocktails ab 16 Euro, Champagner-Flaschen auf Anfrage im dreistelligen Bereich. Tischreservierungen sind obligatorisch, besonders donnerstags bis samstags. Ohne Buchung kommt man an der Tür nicht weit – aber dazu gleich mehr.
„Nammos Limassol ist kein Ort für spontane Abende. Man plant ihn wie ein Geschäftsessen – und genießt ihn wie eine Galerie-Vernissage.
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