Es war ein Dienstagvormittag im Oktober, als ich zum dritten Mal in Omodos ankam und der alte Mann am Dorfbrunnen mir ohne Vorrede ein Glas einschenkte. Kein Etikett, kein Jahrgang — nur dieser dunkle, süße Tropfen, der nach getrockneten Feigen und Zedernholz schmeckte. Commandaria. Der älteste noch produzierte Wein der Welt, nachweislich seit 800 v. Chr. auf Zypern gekeltert. Wer die Limassol Weinrouten ernsthaft erkunden will, beginnt genau hier: mit dem Verständnis, dass Wein auf dieser Insel keine Lifestyle-Accessoire ist, sondern Kulturgeschichte.
Diese Anleitung richtet sich an alle, die mehr wollen als eine schnelle Verkostung im Hotelrestaurant. Ob Geschäftsreisender mit einem freien Nachmittag, Weinliebhaber auf Entdeckungsreise oder jemand, der ernsthaft über einen Umzug nach Limassol nachdenkt — hier finden Sie eine strukturierte Route, konkrete Adressen, realistische Preise und die Erfahrungen, die ich in sieben Monaten pro Jahr auf dieser Insel gesammelt habe.
Was Sie auf dieser Route lernen werden
Die Weinregion um Limassol erstreckt sich vom Troodos-Gebirge bis in die Küstenebene — rund 45 Kilometer Luftlinie, aber kulturell Welten voneinander entfernt. Sie werden verstehen, warum Commandaria ein UNESCO-Welterbe-Kandidat ist, wie sich die Industriekellereien KEO und LOEL von den handwerklichen Betrieben unterscheiden, und welche Boutique-Wineries wie Vlassides oder Tsiakkas die internationale Weinwelt gerade aufhorchen lassen.
- Commandaria-Region: 14 Dörfer südlich des Troodos, Höhenlage 600–900 m
- ETKO Olympus Winery: Omodos, ca. 40 km von Limassol-Zentrum
- KEO und LOEL: Industriekellereien direkt in Limassol, nahe dem alten Hafen
- Boutique-Wineries: Vlassides (Kilani), Tsiakkas (Pelendri), Ezousa (Paphos-Grenze)
- Dorfroute: Pano Lefkara – Omodos – Vouni, ca. 80 km Rundkurs
Planen Sie mindestens einen vollen Tag ein. Wer zwei Tage investiert, kommt tiefer in die Materie — und tiefer ins Troodos-Gebirge.
Voraussetzungen und Vorbereitung
Ohne Mietwagen funktioniert diese Route nicht. Das ist keine Meinung, das ist Geografie. Die Dörfer der Commandaria-Region sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreichbar; die einzige Buslinie, die in die Berge führt, ist die Intercity-Verbindung nach Platres, die morgens fährt und abends zurückkommt — für eine Weinroute denkbar ungeeignet.
Ein Kleinwagen bei Hertz oder Sixt am Flughafen Larnaka kostet im Herbst zwischen 28 und 45 Euro pro Tag, inklusive Vollkaskoversicherung. Wichtig: In Zypern fährt man links. Wer das vergisst, erlebt die erste Kurve in den Troodos-Hügeln als unfreiwilligen Adrenalintest.
Checkliste vor der Abfahrt
- Weingut-Termine: ETKO und Vlassides bieten geführte Touren an, aber nur nach Voranmeldung (Telefon oder E-Mail, mindestens 48 Stunden vorher)
- KEO Limassol: Montag bis Freitag, Führungen um 10:00 Uhr, Eintritt 5 Euro inkl. Verkostung
- Bargeld mitbringen — kleine Produzenten in Omodos und Vouni akzeptieren oft keine Karte
- Sonnenschutz und festes Schuhwerk für die Bergdörfer
- Nüchtern starten — klingt trivial, ist es nicht
Ich starte solche Touren grundsätzlich von der Limassol Marina aus, weil ich dort wohne. Aber auch vom Stadtzentrum aus ist die Autobahn A1 Richtung Nikosia die schnellste Verbindung in die Berge. Abzweigung bei Trimiklini, dann Landstraße Richtung Omodos.
Schritt 1 — Commandaria verstehen: Geschichte vor dem ersten Glas
Commandaria ist kein Wein, den man einfach trinkt. Man muss ihn einordnen. Der Name stammt aus der Zeit der Kreuzritter: Die Johanniter nannten ihr Hauptquartier südlich des Troodos La Grande Commanderie, und der Wein, den sie dort produzierten, wurde zum begehrtesten Exportgut des östlichen Mittelmeers. König Richard Löwenherz soll ihn 1191 bei seiner Hochzeit auf Zypern serviert haben und als „den König aller Weine
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